Abend im Higashi Chaya-Distrikt

Abend im Higashi Chaya-Distrikt

Nein, ein richtiger Geheimtipp ist Kanazawa wohl nicht mehr, seit der Shinkansen von Tokyo Kanazawa in knapp drei Stunden erreicht. Aber andererseits ist Kanazawa auch noch kein Standardbaustein jeder Japanreise. Im „Kyoto des Nordens“ erwarten die Reisenden Kunst, sowohl traditionelle als auch moderne, Kultur und Geschichte. Und der vielleicht berühmteste japanische Garten überhaupt, der Kenrokuen.

Einst waren die Daimyos von Kanazawa die mächtigsten Gegenspieler der Tokugawa-Shogune in Tokyo. Der Daimyo von Kanazawa verfügte über das fantastische Einkommen von einer Million koku Reis – viel mehr als jeder andere Fürst. Und mit diesem Geld bauten die Fürsten von Kanazawa fernab der Zentralmacht eine nahezu autonome Herrschaft auf, mit prunkvoller Hofhaltung, luxuriösen Vergnügungsvierteln und illegaler Waffenproduktion.

Die Must-Sees

Prosperierend ist die Stadt heute noch, und zu der historischen Pracht sind neue Sehenswürdigkeiten dazugekommen.

Der Kenrokuen – Gartenkunst par excellence

Der Wandelgarten „Kenrokuen“ wurde als privater Lustgarten der Daimyos von Kanazawa über mehrere Jahrhunderte hinweg angelegt. Seine markante Laterne ist heute Wahrzeichen für die ganze Stadt Kanazawa. Teehäuschen und Wasserfall, ein lauschiger bemooster Hain, der See mit Inseln und knorrigen Kiefern, Steinbrücken und Japans erster Springbrunnen warten auf Entdecker. Die zahlreichen Kirschbäume machen den Garten im Frühjahr zu einer Top-Attraktion; etwas weniger besucht, aber auch sehr schön, ist er zur Irisblüte im Mai.

Kenrokuen Garden

Museen

Das Museum des 21. Jh. ist schon allein wegen seiner modernen Architektur ein Touristenmagnet. Eines der bekanntesten Kunstwerke ist der begehbare Swimmingpool von Leandro Ehrlich. Neben der ständigen Sammlung gibt es wechselnde Ausstellungen moderner Kunst. Ein bisschen versteckter liegt das D.T. Suzuki Museum – ein Muss für westliche Japanreisende, die sich für Zen-Buddhismus interessieren. Denn der Zen-Mönch und Philosoph Daisetz T. Suzuki war es, der den Zen-Buddhismus im Westen bekannt machte. Die minimalistische Architektur und der Meditationsraum sind allein schon Grund genug für einen Besuch.

Higashi-Chaya - Geishas und Tee

Wie in Kyoto gibt es auch in Kanazawa heute noch Geishas und Teehausviertel. Das größere ist das Higashi-chaya-Viertel, hier kann man ein paar traditionsreiche Teehäuser mit ihrer wunderbaren Einrichtung besichtigen und in verschiedenen Lokalen auch Matcha, den geschäumten Grüntee, trinken, an niedrigen Tischen auf Tatami-Matten. Gleich nebenan erläutert das Blattgoldmuseum dieses Traditionshandwerk in Kanazawa.

Evening view of Higashi Chaya Area

Higashi Chaya

Weitere Sehenswürdigkeiten

Längst steht Kanazawa nicht mehr in Rivalität zur Hauptstadt – von der politischen Brisanz der Vergangenheit ist aber immerhin noch ein bisschen zu sehen. Die riesige alte Burg der Daimyo ist zwar fast völlig zerstört, aber die steilen Steinmauern zeugen noch von der Wehrhaftigkeit der Fürsten, und einzelne Gebäudeteile sind rekonstruiert. Der Daimyo von Kanazawa fürchtete seinerseits Spione, Infiltranten und Attentäter des Shoguns. Im Myoryu-ji, dem sogenannten Ninja-Tempel, kann man heute noch Geheimtüren, versteckte Räume und Verbindungsgänge besichtigen, die dem Daimyo von dort Flucht und Verteidigung ermöglichen sollten.

Einkaufen und Spezialitäten

Luxus-Andenken Blattgold: Blattgold und Vergoldetes wird in zahlreichen Läden verkauft, z.B. als zarte Blattgold-Flöckchen, die sich als festliche Dekoration in Sake oder Sekt gut machen, oder auch als Dessert-Deko. Zum Ausprobieren gibt es das Gold auch gleich vor Ort als Deko auf dem Softeis! Oder wie wäre ein Badezusatz mit Rosenduft und Blattgold-Glitter?

Das zweite Luxusprodukt der Region ist Lack. Für die Herstellung von hochwertigem Lack sind sehr spezielle Klimabedingungen nötig. Besonders samtglatt und schimmernd (und auch besonders teuer) ist der Lack aus Wajima auf der Noto-Halbinsel, nördlich von Kanazawa.

Außerdem ist Kanazawa für wagashi bekannt, die weichen japanischen Süßigkeiten aus Reis und Reismehl. In kurzen Schnupperkursen kann man sie auch selbst herstellen. Und natürlich gibt es guten Fisch und je nach Jahreszeit enorme Krabben. Der "Hunton-Reis" ist eher eine bodenständig-deftige Spezialität: Reis mit Thunfisch und weißer Cremesauce.

Praktische Infos

Wo übernachten?

Der Bahnhof liegt am Rand der Innenstadt und ist weder für die Stadtbesichtigung noch zum abendlichen Ausgehen ideal, dafür sind die Unterkünfte in der Bahnhofsgegend meist etwas günstiger. Für Touristen attraktiver ist die Gegend um Korinbo: Die Sehenswürdigkeiten sind näher und abends ist es nicht weit zu zahlreichen Restaurants und Bars.

Kanzawa-Castle Park

Nahverkehr und Fahrradausleihe

Bei fast einer halben Million Einwohnern ist selbst das Stadtzentrum mit den touristisch interessanten Orten nur mit Mühe erlaufbar. Das Busnetz ist mit mehreren unterschiedlichen Systemen ein bisschen unübersichtlich, dafür aber umso dichter: Neben den regulären Stadtbussen (200-300 ¥) fahren vom Bahnhof aus zwei Loop-Busse (200 ¥) Runden an den Sehenswürdigkeiten vorbei, außerdem verkehrt dort ein extra Shuttle-Bus zum Kenrokuen (200 ¥), ein Shopping-Bus nach Korinbo (100 ¥) und ein für die meisten Sights praktischer JR-Bus (100 ¥), für den auch der Japan Rail Pass gilt.

Mehr Infos dazu unter https://www.kanazawastation.com/kanazawa-tourist-bus-services

Eine nette Alternative dazu ist das Machinori Fahrrad-Leihsystem, denn Kanazawa ist sehr fahrradfreundlich, viele Straßen haben sogar eigene Fahrradspuren, eine Seltenheit in Japan! Für 200 ¥ pro Tag kann man sich beliebig häufig an einer der vielen Leihstationen ein Rad ausleihen, jeweils für 30 Minuten. Stationen gibt es überall bei den Sehenswürdigkeiten, sie bieten eine Erklärung auch auf Englisch und zu jedem Rad gehört auch ein Stadtplan mit Routenempfehlungen.

Touristeninformation: www.en.visitkanazawa.jp. Sehr gut sortiertes und hilfreiches Büro am Bahnhof.